KUNST & KULTUR
  • Theaterkapelle 10245 e. V.

  • Adresse:
  • Boxhagener Str. 99
  • PLZ / Ort:
  • 10245 | Berlin
  • Telefon:
  • 030-40984300
Theaterkapelle 10245 e. V.
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„Der Schrei der Kreatur Mensch, auf dem Weg nach Golgatha, ist unser Aufbegehren, im Leben, in der Kunst. 

  

Der Schmerz – die Wunde Mensch – immer wartend zu Lebzeiten auf Erlösung, immer geplagt mit dem Prinzip SEHNSUCHT – die Wunde Mensch, die nicht heilen will und kann.“ 

  

Angst vor dem Sterben hat nicht, wer die Heiterkeit findet. 

  

  

Eine Friedhofskapelle als Theaterkapelle! Was für eine wunderbare Herausforderung an uns Lebende! 

  

  

Die dunkelroten, dicken Bachsteinmauern – das älteste denkmalgeschütze Gebäude in Friedrichshain (1876) atmet Geschichten und birgt Geheimnisse unzähliger Lebensschicksale. Tote, deren Leben durch die Trauerfeiern nochmals „aufersteht“ und gelebtes Leben erinnert, erhalten ihre letzte Würdigung. Jeden 2. Dienstag im Monat erleben die Toten im oberen Raum der Kapelle ihre letzte Reise. 

  

Der Raum wird feierlich hergerichtet – die alten Kirchenbänke bieten Platz für die Trauergemeinde, Orgelmusik erklingt auf dem E- Piano, die Urne – umstellt von Kerzenlicht. Klänge, Gedanken, Trauer, Erinnerungen finden Platz in diesem Raum mit den lichtdurchlässigen hohen Kirchenfenstern und dem wunderbaren Fachwerk unter dem Dach. 

  

  

  

Foto by Sally B. sally-b@gmx.de 

  

Als sich 2005 die Regisseurin Christina Emig – Könning auf Grund der offiziellen Ausschreibung um dieses Kulturprojekt bewarb, wußte sie, dass es ein einzigartiger Ort für den Aufbau eines Theaters ist. 

  

„Mit unserem Theater werden wir Spuren suchen und „Knochenarbeit“ leisten, ausgraben, erinnern, „verbrannte Erde“ umpflügen und befruchten. Den Alp der Geschichte in Geschichten spielerisch vergegenwärtigen, immer wieder und immer wieder und immer wieder..“ 

  

Geheimnis, Provokation, Banalität – das Leben mit dem Tod aushalten – die Angst vor dem „Unfassbaren“ zu beschwören, zu bannen, zu lachen und zu weinen „Ich hab dir gesagt, du sollst nicht wiederkommen, tot ist tot“ – „aber die Toten sind nicht tot – Hoffnung für die Hoffnungslosen“ – Theater als ewiges Prinzip von Werden und Vergehen! 

  


Im Mai 2006 wurde der Spielbetrieb in der alten Friedhofskapelle an der Boxhagener Straße in Friedrichshain unter großer medialer und öffentlicher Beachtung eröffnet. 

  

Ein karnevalistischer Totentanz zog mit Musik und historischen und gegenwärtigen Geschichten und spielerischen Aktionen durch die Straßen um den Boxhagener Platz und hielt Einzug in der Kapelle – sie wurde wie bei einer Schiffstaufe mit einer Sektflasche, die an die Wand geschwungen wurde, getauft auf den Namen: „theaterkapelle10245“. 

  

  

  

  

  

  

Das zahlreiche Publikum erlebte dort eine Textcollage mit Gesang und ein kraftvolles archaisches Spiel „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“. In der Mitte des Raumes erhob sich ein großer Erdhügel aus frischer Erde als wesentliches Bühnenelement. Feuer, Wasser, Erde, Luft – alle Elemente spielten ihr Spiel – im Fachwerk hingen Stricke, an denen die Schauspieler wie Glocken läuteten und der Klang erschütterte und begeisterte das Publikum. Im „Erdgrab“ der Geschichte wurde Vergangenes gegenwärtig... 


  

Die Kapelle hat noch einen zweiten Raum – den Gewölbekeller. Sieben Stufen führen uns in das alte Gewölbe - ein flacher Raum jeweils mit 9 Gewölbebögen und vier Säulen im Mittelteil, die den Oberbau tragen. Man kann sie umarmen und das alte Mauerwerk begrüßen und riechen vergangene Zeiten. 

  

  

Die Mauern sind unverputzt. Unter jedem Gewölbesegment gibt es einen Punkt, der deine Stimme verstärkt – seltsam, als würde man in ein Mikrofon sprechen. 

  

Dieser Raum wird inzwischen als Musikraum, für Lesungen, für Workshops, für Film und kleinere Theaterformen genutzt. In einer Nische gibt es eine Bar, die für weiteren Genuss sorgt. 

  

Im Mai 2009 erlebt die Kapelle ihren dritten Geburtstag. 

  

Inzwischen haben die verschiedensten Künstlerformationen diesen Ort entdeckt und beschenken die Toten mit ungewöhnlichen Aufführungen sei es Theater, Tanz, Musik, Literatur, Malerei. Hochprofessionelle nationale und internationale Künstler gestalten unser Programm, Absolventen von den verschiedensten Kunstschulen suchen uns auf, Projekte wurden und werden entwickelt mit Menschen aus dem Kiez und für den Kiez. 

  

Die Kapelle grenzt unmittelbar an den Friedhof der evang. Georgen-Parochial- Gemeinde, mitten im Szenekiez Boxhagener Platz. 

  

Dieser Ort ist für Friedrichshain und für Berlin nicht mehr wegzudenken! 

  

Wir verstehen uns als Labor und Umschlagspunkt der Künste, suchen Verknüpfungen, praktische Solidarität, Interaktionen mit den verschiedensten Kunstrichtungen und dem Publikum. Das alles ist immer ein Prozesss und ein Werden und Vergehen. Unser Theater ist grenzüberschreitend, sinnlch, körperlich, emotional, engagiert – Körper, Stimme, Musik, Affekte, Improvisation – Fühlen, schmecken, riechen – (ich mag schwitzende Schauspieler, die sich verausgaben und verschenken!) 

  

Die „theaterkapelle10245“ wird von der Regisseurin Christina Emig-Könning und einem engagierten Team geleitet und im Profil weiter entwickelt. Die Basis, dass Proben und Veranstaltungen stattfinden können, bilden unsere Ein – Euro – Jobber. Menschen vom Jobcenter, die ein zu Hause suchen, hart arbeiten müssen und ihre kreative Seite entwickeln können. Das ist ein schmaler Grad zwischen Sozialarbeit und künstlerischem Engagement. Täglich lachen und weinen wir – aber wir glauben an diesen wunderbaren Ort und sind auf dem Wege. Der Senat hat uns wahrgenommen und unser Haus für das Jahr 2008 gefördert – inzwischen gibt es drei feste Stellen für täglich 24 stunden Arbeit – aber wir machen es gerne denn: 

  

"Das Einzige, was ein Kunstwerk kann, ist Sehnsucht wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär." (J. Genet)



www.theaterkapelle.de
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